Zwei Deutsche kleben eigene Bilder neben die Mona Lisa, Louvre erkennt Kunstwert nicht an

Die beiden Touristen befestigten mit Klebeband zwei Bilder im Format 30 mal 40 Zentimeter an der Wand neben Leonardos Meisterwerk, eines zeigte einen Mann in Ruestung, und erklaerten der Polizei, es handle sich um einen Scherz

Die neue Abteilung Klebeband

PARIS. Zwei deutsche Touristen sind im Louvre festgenommen worden, nachdem sie zwei eigene Bilder neben die Mona Lisa geklebt hatten, wie t-online ueber die Deutschen, die Bilder neben die Mona Lisa klebten berichtet. Laut franzoesischen Medien massen die Bilder jeweils 30 mal 40 Zentimeter. Eines zeigte einen Mann in Ruestung, das andere die beiden Maenner zusammen mit einer Frau. Museumswaerter entfernten die Bilder, wobei die Wand leicht beschaedigt wurde. Die Maenner wurden der Polizei uebergeben und erklaerten, es handle sich um einen Scherz. Die Mona Lisa blieb unbeschaedigt.

Damit haben zwei Deutsche geschafft, wovon Generationen von Kunststudenten nur traeumen: Fuer einige Minuten hingen ihre Werke im beruehmtesten Saal des beruehmtesten Museums der Welt, direkt neben dem beruehmtesten Gemaelde aller Zeiten.

Die Kritik

Die Kunstkritik hat die Werke naturgemaess nicht ausfuehrlich besprechen koennen, da sie nur kurz ausgestellt waren. Eine Kunsthistorikerin aus Koeln versucht dennoch eine Einordnung. Der Mann in Ruestung zitiert eindeutig die Renaissance, sagt sie. Das Gruppenbild mit Frau wirkt wie eine Antwort auf Leonardos Einzelportraet. Die Mona Lisa ist allein, die Deutschen sind zu dritt. Das ist ein Kommentar zur Einsamkeit. Oder ein Urlaubsfoto. Ehrlich gesagt eher ein Urlaubsfoto.

Ein Galerist aus Berlin sieht in der Aktion ein Lehrstueck ueber den Kunstmarkt. Jeder Kuenstler sucht die beste Wand, sagt er. Diese beiden haben sie gefunden. Ihre Hangtechnik war allerdings schwach. Klebeband ist im Louvre nicht vorgesehen. Dort haengt man mit Kuratoren, Versicherungen und fuenf Jahren Vorlauf.

Die Mona Lisa bleibt gelassen

Die Mona Lisa hat in ihrer langen Geschichte schon einiges erlebt: Diebstahl, Attacken, Menschenmassen und Millionen Selfies. Dass zwei Deutsche ihr nun Gesellschaft verschaffen wollten, nahm sie mit dem bekannten Laecheln hin. Ein Museumsfuehrer aus Paris, der seit Jahren Gruppen durch den Saal fuehrt, sagt, die Dame sei schwer zu beeindrucken. Sie hat Napoleon gesehen, sagt er. Sie ist um die Welt gereist. Sie ist hinter Panzerglas. Zwei Herren mit Klebeband bringen sie nicht aus der Ruhe.

Typisch deutsch?

In Deutschland wurde die Aktion mit einer Mischung aus Peinlichkeit und heimlichem Stolz aufgenommen. Ein Rentner aus Darmstadt meint, die beiden haetten wenigstens ordentlich gearbeitet. Gleiches Format, beide 30 mal 40, sagt er. Das ist deutsche Gruendlichkeit. Ein Franzose haette einfach irgendein Format genommen. Trotzdem gehoert so etwas nicht ins Museum. Bilder klebt man an den Kuehlschrank.

Eine Lehrerin aus Hamburg sieht es streng. Ich erklaere meinen Schuelern seit Jahren, dass man im Museum nichts anfasst, sagt sie. Jetzt habe ich ein neues Beispiel. Wer etwas an die Wand klebt, landet bei der Polizei. Die Schueler fanden es trotzdem lustig. Einer fragte, ob er seine Kunstnote mit Klebeband verbessern kann.

Was folgt

Laut t-online ist unklar, was mit den beiden Maennern geschieht, und ob der Louvre Anzeige erstattet, ist nicht bekannt. Fuer das Museum, das jaehrlich Millionen Besucher empfaengt und in den vergangenen Jahren immer wieder mit Sicherheitsfragen beschaeftigt war, duerfte der Vorfall ein weiterer Anlass sein, die Waende genauer im Blick zu behalten.

Das letzte Wort

Vor der Mona Lisa draengen sich am naechsten Tag wieder Hunderte Besucher mit erhobenen Smartphones. Ein deutsches Ehepaar schaut sich vorsichtig um. Hier war es, fluestert die Frau und zeigt auf die Wand. Der Mann betrachtet die leere Stelle lange. Weisst du, sagt er schliesslich, ein Bild von uns haette da schon gut ausgesehen. Die Frau zieht ihn am Arm. Wir machen ein Selfie, sagt sie. Wie normale Menschen. Und das kleben wir zu Hause an den Kuehlschrank.