Sattelzug verliert 150 Kaesten Bier auf der A73, Oberfranken erklaert Tag der nationalen Trauer

Auf einer Auffahrt bei Ebersdorf bei Coburg rutschte die Ladung eines Lasters aus Kulmbach, Flaschen zerplatzten auf 150 Metern, und die Autobahn blieb rund vier Stunden gesperrt

Ein Verlust fuer die Region

COBURG. Auf der A73 bei Ebersdorf bei Coburg hat ein Sattelzug rund 150 Kaesten Bier verloren, wie t-online ueber den Sattelzug, der auf der A73 150 Kaesten Bier verlor berichtet. Der voll beladene Lastwagen mit 1.270 Kaesten Bier und Mischgetraenken war aus Kulmbach in Oberfranken Richtung Thueringen unterwegs. Auf der Auffahrt in Richtung Suhl verrutschte die offenbar nicht ausreichend gesicherte Ladung in einer Kurve, die Plane riss, und Kaesten fielen auf die Fahrbahn. Flaschen zerplatzten, Scherben und Bier verteilten sich auf 150 Metern ueber die gesamte Fahrbahnbreite.

Verletzt wurde laut t-online niemand. Fuer Oberfranken, eine Region mit einer der hoechsten Brauereidichten der Welt, war es dennoch ein schwerer Tag.

Der Held des Tages

Ein Strassenwaerter aus Coburg war laut Polizei Sekunden spaeter mit seinem Transporter vor Ort, sperrte die Spur und verhinderte Folgeunfaelle. In Oberfranken wird bereits diskutiert, ihm eine Auszeichnung zu verleihen. Ein Stammtisch in Kronach hat einstimmig beschlossen, ihm ein Jahr lang Freibier zu spendieren. Er hat das Bier nicht retten koennen, sagt der Stammtischbruder. Aber er hat die Menschen gerettet. Und wenn er schon Bier verloren hat, soll er wenigstens welches bekommen.

Ein Bierkenner aus Bamberg betrachtet das Unglueck mit fachlicher Trauer. 150 Kaesten, sagt er. Das sind 3.000 Flaschen, wenn es Zwanziger-Kaesten waren. Das ist nicht nur ein Verkehrsunfall, das ist ein kulturelles Ereignis. In Oberfranken trinkt ein Dorf damit ein ganzes Wochenende. Auf der Autobahn hat es niemand getrunken. Das ist die eigentliche Tragoedie.

Die Reinigung

Eine Spezialfirma aus Bamberg wurde mit der Reinigung beauftragt. Die verbliebenen Kaesten zu bergen war schwierig, weil sie instabil waren. Schliesslich wurde der Lkw mit der restlichen Ladung zu einer Nothaltebucht gefahren. Rund vier Stunden dauerten Bergung und Reinigung, dann gab die Polizei die Strecke wieder frei. Den Sachschaden schaetzt die Polizei laut Neue Presse auf rund 10.000 Euro.

Ein Autofahrer, der im Stau stand, beschreibt den Geruch. Die ganze Strecke roch wie ein Festzelt, sagt er. Ich habe das Fenster runtergemacht und kurz geglaubt, ich bin auf der Kirchweih. Dann habe ich die Scherben gesehen und war wieder nuechtern.

Ladungssicherung

Hinter dem Humor steht eine ernste Lehre: Ladungssicherung ist kein Detail, sondern Pflicht. Ungesicherte Fracht kann auf Strassen schwere Unfaelle verursachen. Ein Ausbilder fuer Berufskraftfahrer aus Hof nutzt den Fall bereits. Ich zeige das Foto und frage: Was ist hier schiefgelaufen? sagt er. Die Antwort ist immer dieselbe. Die Kaesten wurden nicht richtig gesichert. Und ein Schueler fragt dann jedes Mal, ob man die Flaschen haette retten koennen. Ich sage nein. Er sieht dann sehr traurig aus.

Bier und Identitaet

In Franken ist Bier nicht nur Getraenk, sondern Identitaet. Hunderte kleiner Brauereien, Bierkeller und Feste praegen die Region, und Kulmbach traegt den Beinamen heimliche Hauptstadt des Bieres. Dass ausgerechnet eine Lieferung aus Kulmbach auf der Autobahn endet, empfinden manche als symbolisch. Eine Wirtin aus Lichtenfels sagt: Das Bier wollte nicht nach Thueringen. Es wollte in Franken bleiben. Man kann es ihm nicht verdenken.

Das letzte Wort

Als die Autobahn am Abend wieder frei war, glaenzte der Asphalt noch leicht. Ein Rentner aus Ebersdorf, der zufaellig an der Bruecke vorbeikam, blieb kurz stehen und nahm die Muetze ab. Er schaute auf die Fahrbahn, auf der nur noch ein paar Kronkorken lagen. Dann setzte er die Muetze wieder auf. Ruhe in Frieden, sagte er leise. Und dann, etwas lauter: Heute Abend trinke ich eins fuer euch.