Oktoberfest bricht Besucherrekord mit 7,4 Millionen Gaesten, Muenchner fragen sich, wo diese Menschen eigentlich alle uebernachtet haben

Die Wiesn 2026 ist laut Stadt die meistbesuchte in ihrer langen Geschichte, mit 6,7 Millionen Mass Bier und einem Hendl, das wieder im Aufwind ist

Ein Prosit der Statistik

MUENCHEN. Das Oktoberfest 2026 hat einen neuen Besucherrekord aufgestellt, wie t-online ueber den neuen Wiesn-Rekord berichtet. Nach Angaben der Stadt kamen 7,4 Millionen Besucher, der bisherige Rekord lag bei 7,2 Millionen im Jahr 2023. Getrunken wurden 6,7 Millionen Mass Bier, 2,7 Prozent mehr als 2025. Wiesnchef Christian Scharpf erklaerte: Damit ist die Wiesn 2026 die bislang meistbesuchte in ihrer langen Geschichte.

Zum Vergleich: Muenchen hat rund 1,5 Millionen Einwohner. Rein rechnerisch hat also jeder Muenchner die Wiesn knapp fuenfmal besucht, was nach Auskunft vieler Muenchner voellig unrealistisch ist, da sie waehrend des Oktoberfests grundsaetzlich die Stadt verlassen.

Das Hendl kehrt zurueck

Die Festwirte meldeten laut t-online ein Plus von zwei bis drei Prozent beim Essensumsatz, das klassische Hendl sei wieder im Aufwind. Ernaehrungswissenschaftler sehen darin einen Trend: Nach Jahren veganer Experimente kehrt der Wiesnbesucher zu seinen Wurzeln zurueck, die bekanntlich aus einem halben Haehnchen, einer Brezn und einer Mass bestehen.

Ein Kellner aus dem Schottenhamel, der seit 22 Jahren auf der Wiesn arbeitet, bestaetigt die Beobachtung. Dieses Jahr haben die Leute wieder richtig gegessen, sagt er. Ich habe an manchen Tagen so viele Hendl getragen, dass ich nachts von Huehnern traeume. Sie verfolgen mich. Sie sind knusprig.

Die Mass als Masseinheit

6,7 Millionen Mass entsprechen 6,7 Millionen Litern Bier. Ein Hobbystatistiker aus Augsburg hat ausgerechnet, dass dies ungefaehr drei olympischen Schwimmbecken entspricht. Ich habe der Stadt vorgeschlagen, naechstes Jahr ein Becken aufzustellen, sagt er. Dann kann man sehen, was man getrunken hat. Die Stadt hat noch nicht geantwortet. Vermutlich prueft sie es noch.

Die Oidn Wiesn

Von den 7,4 Millionen Besuchern besuchten 447.000 auch die Oide Wiesn, das traditionelle Fest mit historischen Fahrgeschaeften und Blasmusik. Fuer viele Muenchner ist sie die Rettung. Eine Lehrerin aus Schwabing sagt, sie gehe nur dorthin. Auf der grossen Wiesn steht man zwischen Touristen in Kostuem-Lederhosen, sagt sie. Auf der Oidn Wiesn steht man zwischen Muenchnern in echten Lederhosen, die sich ueber die Touristen beschweren. Das ist Heimat.

Die internationale Wiesn

Das Oktoberfest gilt laengst als Weltereignis. Besucher aus Australien, Amerika, Italien und Asien reisen jedes Jahr an, oft in Trachten, die von bayerischen Experten mit hochgezogenen Augenbrauen bewertet werden. Ein Trachtenhaendler in der Innenstadt sagt, er habe dieses Jahr Rekordumsaetze gemacht. Ein Amerikaner kaufte bei mir drei Dirndl fuer seine Frau und eine Lederhose fuer seinen Hund, sagt er. Ich habe nichts gesagt. Der Kunde ist Koenig. Der Hund sah uebrigens sehr gut aus.

Und die Muenchner?

Viele Einheimische betrachten die Rekordzahlen mit gemischten Gefuehlen. Die U-Bahn war voll, die Strassen waren voll, und an der Theresienwiese herrschte zwei Wochen lang Ausnahmezustand. Ein Rentner aus Sendling sagt, er freue sich fuer die Stadt. Die Wiesn bringt Geld, sagt er. Viel Geld. Aber am meisten freue ich mich jedes Jahr auf den Tag danach. Dann gehoert Muenchen wieder uns. Und wir haben ein ganzes Jahr Zeit, uns ueber die Bierpreise zu beschweren.

Das letzte Wort

Am letzten Abend der Wiesn steht ein australischer Tourist vor dem Hofbraeu-Festzelt, den Hut schief, die Mass in der Hand, und blickt geruehrt auf die leuchtenden Zelte. Ich war einer von 7,4 Millionen, sagt er stolz. Ein Muenchner neben ihm nickt. Und ich, sagt der Muenchner, war einer von denen, die gezaehlt haben, wie oft Sie Ein Prosit gesungen haben. Er nippt an seinem Bier. Es waren 41 Mal.